Eilenburger Schützenvereins 1990 e.V.                           

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Vorwort

Beitrag der LVZ Eilenburg Regional zum Tag der offenen Tür

Briefe an die Redaktion von Spiegel TV Magazin zur Sendung vom 05.05.02

1. Brief

2. Brief

Leitartikel zum Waffenrecht LVZ 08.05.02

Brief an die Redaktion der LVZ  

Bilder  der Spiegel TV Magazin  - Reporter bei Ihrer "objektiven" Arbeit

 

Spiegel TV Magazin  oder die Meinungsmacher  

Am 04.05.02 haben sich Reporter von „Spiegel TV“ zu unserem Tag der offenen Tür angesagt. Wir hatten nichts gegen das Erscheinen des Team, hofften wir doch, auf eine sachliche Reportage über Schützenvereine und deren sportlichen Ziele.

Der Beitrag wurde am 05.05.02 um 22.25 Uhr im „ Spiegel TV Magazin“ bei RTL gesendet, was dort zu sehen war, war eine einzige Verleumdungs – und  Meinungsmanipulationskampange gegen Traditions- und Schützenvereine. So wurde zum Beispiel der Traditionsverein der sich mit der Geschichte der Völkerschlacht zu Leipzig beschäftigt, als die „ewig Gestrigen“ dargestellt. 

(Wir sollten das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig nicht sanieren, sondern wohl besser gleich abreißen)

Unser Verein, kam noch viel schlechter weg, schließlich sind wir Sportschützen, die sich einmal im Monat neben dem normalen Training auch einen Tag für das sogenannte „Spaßschießen“ nimmt. An diesen Sonnabend schießen wir zusammen mit Gästen nicht auf Scheiben, sondern wie verwerflich auf Luftballons und Tontauben. Gleichzeitig nehmen wir dies zum Anlaß, unseren  Gästen nicht nur das Schießen zu ermöglichen, sondern diese auch über die Gefahren beim Umgang mit Schusswaffen aufzuklären. So etwas ist natürlich verwerflich.

Ebenfalls wird nicht mit Großkalibrigen Waffen geschossen, sonder mit Waffen des Kalibers .22 lfb., was nicht heißen soll, daß diese Waffen minder gefährlich sind.

In der Reportage von „Spiegel TV“ klang das so: „An jedem ersten Samstag im Monat öffnet der Schützenverein Eilenburg bei Leipzig seine Türen für Schießwütige, zugelassen zum sogenannten Spaßschießen ist Jeder ab 16.“  Weiterhin  haben „ heutige Schützen hehre Ziele aus den Augen verloren, geballert wir aus Spaß“.

An diesem Tage wurden auch diverse Interviews mit Mitgliedern unseres Vereins gemacht, die meisten passten aber offensichtlich nicht ins Konzept der Sendung, die Macher hatten nur Glück, einen 16 jährigen Jungen zu erwischen, der, ohne Frage, noch  eine sehr merkwürdige Auffassung vom sportliches Schießen hat. Dieser junge Mann wird mit Sicherheit auch mit 18 Jahren keine Möglichkeit zum Erhalt einer WBK bekommen, wenn er seine Einstellung nicht grundlegend ändert. Wir werden ihn auf alle Fälle genau im Auge behalten. Aber nur dieses Interview wurde gesendet, denn man wollte ja von Beginn an nicht sachlich berichten, sondern einfach Stimmung gegen Schützenvereine machen und Stammtischparolen ausgeben. Offensichtlich können auch nicht alle Journalisten mit der Pressefreiheit umgehen, vielleicht sollte man  dann nicht nur über eine  Verschärfung des Waffenrechts  nachdenken.  Die Manipulation der Massen ist ebenfalls sehr Gefährlich und bedarf daher gleichfalls einer großen Verantwortung !

Wir haben hier einige Fotos von diesen Meinungsmachern, welche sich auch noch von uns durchfüttern ließen, soweit ging der Abscheu dann doch nicht.

Wir schämen uns für die Macher von „Spiegel TV Magazin“ und für den Sender „RTL“ der so etwas tendenziöses zur Ausstrahlung bringt. 

Ina Steinberg

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Beitrag der LVZ " Eilenburg Regional" zum Tag der offenen Tür im Eilenburger Schützenverein 1990 e.V

Hier in unserer Heimatstadt kennt man seinen Verein genau und berichtet ehrlich  vom Tag der offenen Tür und vom sonstigen Vereinsleben, ohne Massenbeeinflussung zu betreiben. Wir danken der Redakteurin Heike Nyari für Ihren guten und informativen Beitrag über die sogenannten "Schießwütigen Ballerer" des Schützenvereins Eilenburg.

Nachstehend finden Sie den Beitrag der LVZ "Eilenburg Regional". 

96 Mitglieder gehören derzeit zum Eilenburger Schützenverein 1990

 Befreundete Vereine kommen gern in die Kastanienallee

Das Interesse der Medien, was bei den Schützenvereinen so  läuft, ist derzeit größer als sonst

                                                                                                                      Fotos (2): Heike Nyari

 

Eilenburg. Einmal im Jahr veranstaltet der Eilenburger Schützenverein 1990 e.V. einen Tag der offenen Tür. Zahlreiche Interessierte, Gastschützen, aus anderen Vereinen, z.B, aus Brandis und Taucha und natürlich eigene Mitglieder trafen auf dem Gelände hinter dem Schützenhausein, um ihre Kräfte beim sportlichen Schießen zu messen. Aber auch das gemütliche Beisammensein am Grill sowie Gespräche und Erfahrungsaustausch gehörten zum Vereinstag. Wie von Geschäftsführer und Schatzmeister Wolf-Rüdiger Frömberg zu erfahren war, zählt der Schützenverein zur Zeit 96 Mitglieder, darunter vier Frauen und zwei Jugendliche. Maria Kögler (14) aus Bad Düben ist das jüngste Mitglied und schon seit zwei Jahren aktive Schützensportlerin.

Die Schießstände bestehen aus acht Bahnen für Kurzwaffen (25 in), vier Bahnen für Langwaffen (50 m) und sechs Bahnen für Kleinkaliber (50 m). Befreundete Schützenvereine, die nicht selber über solche Anlagen verfügen, kommen gern nach Eilenburg. Jugendliche unter achtzehn Jahren dürfen im Verein nur Luftgewehr schießen Zahlreiche Vereinsmeisterschaften gehören zum Schützenjahr wie auch die Kreis Meisterschaften, die vom Sächsischen Schützenbund ausgeschrieben werden. Zu feierlichen Anlässen erlebt man die Schützenbrüder öfters beim Salutschießen, z.B. bei der Einweihung der Muldebrücke. Im Vereinsjahr werden auch zahlreiche Arbeitseinsätze durchgeführt, bei denen jedes. Mitglied mindestens fünfzehn Pflichtstunden leistet. So pflanzten die Mitglieder auf ihrem zirka zwei Hektar großen Gelände in den .vergangenen Jahren sehr viele Sträucher und Bäume.                       Heike Nyari

Iris Schneider aus Laußig schießt unter Aufsicht, von Oliver Baumgard. Sie gehört zu den wenigen weiblichen Schützen.

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Briefe an die Redaktion von Spiegel TV Magazin zur Sendung vom 05.05.02

 

1. Brief an die Redaktion

 

Sehr geehrtes Spiegel – TV - Team,

Am Sonntag, dem 05.05. haben Sie unter dem Eindruck der Erfurter Ereignisse einen Magazinbeitrag  ausgestrahlt, in dessen Mittelpunkt Menschen standen, die sich in Ihrer Freizeit dem Schießsport widmen. Dieser Beitrag steht in so krassem Widerspruch zu meinen Vorstellungen von Fairnis, Objektivität und journalistischer Verantwortung, dass ich Ihnen meine Meinung dazu nicht vorenthalten möchte.

Zunächst möchte ich fragen, ob ich zuviel verlange, wenn ich von einem TV-Magazin, das sich selbst gern als seriös bezeichnet und dass ich bisher auch so gesehen habe, gerade in Zeiten überkochender Emotionen, welche die Erschütterung über das blutige Drama am Gutenberg-Gymnasium ausgelöst hat, erwarte, dass es aufklärend und deezskalierend wirke, anstatt durch eine Sendung auf Stammtischniveau Öl ins Feuer zu gießen.

Das trifft zunächst auf Ihren Beitrag über die Traditionsvereine der Völkerschlacht zu. Offensichtlich ist es unter Ihrer Würde, einmal Fachleute wie Historiker, Soziologen oder Tourismusexperten nach den Verdiensten dieser Vereine für die Regionalgeschichte, die Schaffung und Erhaltung sozialer Bindungen oder den Tourismus in der Region zu befragen. Dass die Beteiligten nicht als puritanische Idealisten handeln, sondern auch Spaß an Ihrem Hobby haben, gibt Ihnen wohl kaum das Recht, diese Leute in unverschämt anmaßender Art und Weise als „ewig Gestrige“ zu diffamieren. Verstaubten Hurra-Patriotismus kann man ihnen auch kaum vorwerfen, denn sie stellen Franzosen und Russen genauso überzeugend dar wie Sachsen und Preußen.

Ihr Beitrag über den Eilenburger Schützenverein, dem ich fast 10 Jahre angehöre, war für mich ein Paradebeispiel tendenziöser Berichterstattung. Hier hätte man den Zuschauer durch objektive Recherchen über das Gefährdungspotential, das von den Sportschützen ausgeht, aufklären können. Statistische Daten über die Anzahl von Schusswaffen im Privatbesitz von Sportschützen liegen ebenso vor und sind für jedermann zugänglich wie der Anteil legaler Waffen an Waffendelikten.  Das Ergebnis würde beweisen, dass Sportschützen eben keine Schießwütigen Rabauken sind! Immerhin liegen die Delikte mit Dienstwaffen etwa in der gleichen Größenordnung – der Mensch ist nun mal kein vollkommenes Wesen. Sonderlich aufwändig wären solche Recherchen nicht, denn selbst unter Generalstaatsanwälten gibt es ausgewiesene Experten, die selbst Mitglieder von Schützenvereinen sind und Sie sicher gern unterstützen würden. Aber selbst dieser Aufwand scheint dem Herrn Redakteur zu hoch, stattdessen lässt er seine vor gefasste Meinung von der Stimme aus dem Off als ewige Wahrheit verkünden, des Beifalls zahlreicher bornierter Stammtischrunden sicher.

Als Besitzer der absoluten Weisheit ignoriert er natürlich, dass die meisten der in den Schützenvereinen ausgeübten „Ballereien“  Olympische Disziplinen sind. Und wenn er Jeden, dem Schiessen Spaß macht, für einen potentiellen Mörder hält, dürfte für Ihn der Gang über einen beliebigen Rummelplatz (nicht nur in Deutschland) zum Höllentrip werden. Denn der Grund, dass sich schlichte „Schießbuden“ noch immer neben aufwändigen High-Tech – Fahrgeschäften behaupten, liegt doch offensichtlich darin, dass es Millionen gibt, denen Schiessen einfach Spaß macht.

Faulheit kann man Ihrem Team indes nicht vorwerfen. Immerhin hat es duzende Interviews für den Mülleimer produziert, bis ihm endlich ein 16-jähriges Neumitglied das ersehnte Stichwort und damit das einzige sendewürdige Interview liefert, in einer Waffe ein Mittel der Selbstverteidigung zu sehen. Ein der Objektivität geschuldeter Hinweis auf Alter und Mitgliedsdauer des Interviewpartners musste selbstredend unterbleiben, hätte er doch das clevere Team um seinen einzigen Trumpf gebracht. So wird diese Äußerung als typisch für den Verein dargestellt. Das hat mit objektiver Berichterstattung nichts gemein, das ist Propaganda der übelsten Art! Dass unser junger Schützenbruder aufgrund dieser Einstellung noch recht lange auf eine eigene Waffe wird warten müssen, dürfte Sie bei der gezeigten „Objektivität“  kaum interessieren. Ein Journalist, der diese Berufsbezeichnung verdient, hätte erwähnen müssen, dass im Gegensatz zu zahlreichen anderen Sportarten im Schießsport Aggressivität nicht vorkommt. Denn statt des Adrenalinschubes braucht der Schütze ein sicheres Auge und eine ruhige Hand, da bleibt einfach kein Raum für Aggressionen.

Was auch immer die Gründe für eine derartig tendenziöse Berichterstattung sein mögen, sicher ist, dass sie nicht zum Vertrauen und zur notwendigen sachlichen Atmosphäre beiträgt, die notwendig sind, um eine ausgewogene Lösung bei der Neuregelung des Waffenrechts zu finden. Wenn offensichtlich konzeptionslose Politiker, um ihre Unfähigkeit zur Lösung der tatsächlichen gesellschaftlichen Probleme zu kaschieren, den Denkfaulen in bewährter Manier einen Sündenbock präsentieren, sollten unabhängige Journalisten nicht auch noch in diese Kerbe hauen, sondern sich um die Ergründung der wirklichen Ursachen bemühen. In Großbritannien, wo bereits vor Jahren nach einem Amoklauf das Waffenrecht drastisch verschärft wurde, ist man sich heute weitgehend einig darüber, dass dieser Aktion keinen Sicherheitspolitische Effekt erreicht hat.

 Die Ursache dafür, dass der Schüler Robert Steinhäuser in so unvorstellbarer Weise reagiert hat, liegt weder darin, dass er als Sportschütze eigene Waffen besaß, noch dass er am Computer Ballerspiele praktizierte, allenfalls kann man diese Dinge als begünstigende Umstände sehen. Wenn ein junger Mensch mit zumindest durchschnittlichem geistigen Potential eine Aktion vorbereitet, bei der sein eigener Tod eingeplant ist, so zeugt das für mich von einem unfassbaren Maß von Verzweiflung und gesellschaftlicher Isolation. Gibt es hier keinen politischen Handlungsbedarf ? Darf eine Regierung weitermachen wie bisher, die ein Schulgesetz zu verantworten hat, das einen Gymnasiasten ins gesellschaftliche Nichts stößt,  indem es ihm jeglichen Schulabschluss und damit die Chance auf eine Berufsausbildung verweigert, weil er die Reifeprüfung nicht besteht bzw. von dieser ausgeschlossen wird? Persönliche Konsequenz der politisch Verantwortlichen ? – Fehlanzeige! Sie sonnen sich weiter in ihrer Unfehlbarkeit, halten betroffene Reden und bekommen noch Unterstützung von „kritischen Journalisten“. Ein einfacher Selbstmord eines Schülers in einer ausweglosen Situation hätte hierzulande kaum für Schlagzeilen gesorgt, niemand hätte Notiz von so schwachsinnigen Gesetzen im Deutschland des 21. Jahrhundert genommen. Auch darüber sollte man nachdenken, bevor man den Stab über den Jungen bricht. Vielleicht könnten Sie in einer Ihrer folgenden Sendungen einmal dieses Problem mit Psychologen und Seelsorgern erörtern, vorausgesetzt, sie haben nach Hundehaltern und Sportschützen noch keine neue Gruppe von Sündenböcken geortet, die Sie quotenträchtig vermarkten können. Andererseits ist mir auch klar, dass eine Sendung, die zum Nachdenken auffordert, kaum Quote bringt und deshalb in unserer „bunten Medienlandschaft“ schwerlich zu platzieren ist.

Natürlich kann man dem Schüler vorwerfen, sein Missgeschick selbst verschuldet zu haben, schließlich ist eine Urkundenfälschung kein Kavaliersdelikt. Aber jedes deutsche Strafgericht würde einem Ersttäter mildernde Umstände zubilligen. Andererseits muss die Frage erlaubt sein: Was ist die Urkundenfälschung des Robert Steinhäuser im Vergleich zu den kriminellen Aktivitäten unserer politischen Klasse (Schwarzgeldkonten der Herren Kohl und Koch etc., Kölner Klüngel der SPD, Steuerhinterziehung in Millionenhöhe eines Herrn Lambsdorf) ? Wenn unseren Politikern nichts anderes einfällt, als der grassierende Politikerverdrossenheit durch blinden Aktionismus zu begegnen, sollte das einen wirklichen Journalisten auf den Plan rufen.

Sicher wäre es auch notwendig, einmal darauf  hinzuweisen, dass in Deutschland auf jede legale Waffe zwei bis drei illegale kommen, mit denen weit über 90 % aller Waffendelikte begangen werden. Die Sachkunde und Zuverlässigkeit der Besitzer dieser illegalen Waffen hat kein Ordnungsamt jemals überprüft. Selbst wenn ein forscher Innenminister das Bezugsalter für Waffen auf  achtzig Jahre anhebt und zehn psychiatrische Gutachten fordert, die Maffia wird’s freuen; sie wird jedem, der es wünscht, seine  Wunschwaffe zur Verfügung stellen. Ernstzunehmende Politiker denken öffentlich über die legale Abgabe harter Drogen nach, um den illegalen Markt auszutrocknen. Andererseits wird nicht wahrgenommen, dass durch die überzogene Einschränkung legaler Erwerbsmöglichkeiten für Waffen der schwarze Waffenmarkt expandieren würde. Wenn die Politik diese Problem öffentlich nicht zur Kenntnis nimmt, ist das wenigstens ein Indiz dafür, dass kein Konzept existiert, dieses wirkliche gesellschaftliche Problem zu lösen. In kleinlichen Kompetenzstreitigkeiten verhindern unsere politischen Größen zur Freude der Mafiosi seit Jahren ein wirksames europäisches Polizeirecht.

 Die aktuellen Diskussionen zur Verschärfung des Waffenrechts für Sportschützen (nicht für Jäger ?) bekommen so für mich den Beigeschmack des öffentlichkeitswirksamen Profilierens zu lasten einer kleinen Bevölkerungsgruppe im Hinblick auf bevorstehende Wahlen.

Weitere Meinungen unserer Vereinsmitglieder können Sie unter www.Schuetzenverein-Eilenburg.de nachlesen.

 Rainer Steinberg 

 

 

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2. Brief an die Redaktion

 

Diesen Beitrag finden Sie ab 20.05.02 auf unserer Seite.

 

 

Leitartikel zum Waffenrecht LVZ 08.05.02

Zum Waffenrecht

Wertewandel   

 Von ARMIN GÖRTZ

 

Seit Erfurt ist möglich, was als undenkbar galt:

Zweieinhalb Stunden spricht der Kanzler mit den Ministerpräsi­denten, sofort herrscht Einig­keit, das Waffenrecht, deutlich zu verschärfen. Jahrelang  hatte die Politik zuvor darüber palavert. Flintenhersteller Jagd-   und Schützenvereine hielten stets dagegen, nach ewigem Hick‑Hack beschloss  der  Bundestag am  26.April ein paar handzahme Einschränkungen. Das war der Tag des Massakers. Seither weht ein anderer Wind. Politiker überschlagen sich mit Ideen, das Mindestalter für Waffenbesitz auf 21, 25 oder mehr Jahre hoch zu schrauben und besonders bedrohliche Ballergerätschaften ganz zu verbieten.

Denn der Amoklauf hat die öffentliche Meinung stark und hoffentlich anhaltend beeinflusst. Im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis laufen weit radikalere Debatten als unter den Regierungschefs. Wozu, fragt sich mancher sogar, sind Millionen legaler Pistolen und Gewehre in Privathand? Brauchen  Bürger Waffen?  Können Sportschützen ihre Treffsicherheit nicht mit elektronischen Instrumenten beweisen? Sollten wir die Regulierung des Wildbestandes nicht Berufsjägern überlassen? Niemand weiß, ob bessere Gesetze den Massenmörder gebremst hätten. Pistolen gibt es auf dem Schwarzmarkt, Anleitungen fürs Bomben-Basteln im Internet. Doch unabhängig vom Erfurter Blutbad ist es richtig, wenn der Gesetzgeber den legalen Zugang zu Schießgeräten möglichst drastisch einschränkt. Dies wird Gewalttaten in Deutschland zumindest etwas verringern.

Mehr bewirken kann aber der  Wertewandel, der sich abzeichnet und auch in der Diskussion um Pistolen und Gewehre zeigt. Private Waffen galten seit Jahrhunderten als Ausdruck persönlicher Freiheit, strahlen für viele einen geradezu erotischen Macht-Reiz aus. Nun erscheinen sie immer mehr Menschen als abstoßend und bedrohlich, als ebenso hässlich und verdammenswert wie blutrünstige Filme und Computerspiele. Vielleicht löst der, Schock des Massakers ein dauerhaftes Umdenken aus, das zur totalen öffentlichen Ächtung von Waffen und Gewalt führt. Seit Erfurt ist möglich, was als undenkbar galt.

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Brief an die Redaktion der LVZ 

 Sehr geehrtes Redaktionsteam,

 in der deutschlandweiten Medienhatz gegen die Sportschützen hat sich nun auch Herr Görtz mit seinem heutigen (08.05) Leitartikel zu Wort gemeldet. Anders als andere Journalisten-Kollegen äußert er öffentlich Zweifel, ob schärfere Waffengesetze das Drama von Erfurt hätten verhindern können, dieser Mut verdient Anerkennung! Auch darin, dass nur ein echter Wertewandel in unserer Gesellschaft das Jugend- und Gewaltproblem lösen kann, stimme ich völlig mit ihm überein. Hoffentlich vernimmt ein verantwortlicher Politiker solche leisen Töne in einer Mediengesellschaft, wo in der Regel nur der gehört wird, der am lautesten schreit.

Geradezu genial aber ist sein Vorschlag, den Schießsport nicht mehr mit Waffen auszuüben, sondern auf Simulatoren umzusteigen. Genial deshalb, weil sich diese Idee doch ohne weiteres auf andere Bereiche übertragen lässt, wo Zeitgenossen mit nicht existenznotwendigen Tätigkeiten andern auf die Nerven bzw. der Umwelt an die Substanz gehen.

Spontan fällt mir dabei ein, dass private Kraftfahrzeuge entbehrlich sind. Fahrsimulatoren gibt es für jeden Anspruch. Statt sich durch endlose Staus zu plagen, demonstriert man entspannt am heimischen Computer seine Fahrkünste und zieht sich nebenbei ein Toskana - Video rein. Keine Verkehrstoten, keine Abgase, welche die Atmosphäre zerstören und keine verstopften Straßen mehr!

Die Formel I hätte sich damit auch erledigt. Die Freaks können einen Boliden ihrer Wahl virtuell über einen naturgetreuen Kurs in Monaco oder Australien steuern und die Gehälter der „Stars“ werden direkt an die Welthungerhilfe überwiesen.

Man könnte beispielsweise auch die Fußballstadien schließen. Dann können sie nicht mehr von randalierenden Hooligans verwüstet werden. Diejenigen, die es heute noch ins Stadion treibt, könnten dann, ganz nach persönlicher Neigung entweder am Computer Soccer spielen oder lebensechte Gummipuppen verprügeln.

Statt ätzender Reality-Shows gäbe es im Privatfernsehen nur noch Virtuality. - Phantastisch!

Profitgierige Manager spielen Monopoly und beuten nicht mehr Kinder in der dritten Welt aus.

Generäle bekommen die begehrten Sterne und Orden für ihre Leistungen im Sandkasten und müssen keine jungen Menschen mehr dafür in einen sinnlosen Tod treiben.

Am meisten fasziniert mich jedoch die Vorstellung, dass der Präsident einer mächtigen Nation am heimischen Kamin vor seiner Spielkonsole sitzt und Krieg der Sterne spielt oder zur Abwechslung einmal eine Barby-Puppe auf dem naturgetreuen Modell eines elektrischen Stuhls schmoren lässt. Niemand wird mehr durch Bomben, Raketen oder andere Segnungen der Zivilisation zu Tode kommen, kein Unschuldiger muss mehr fürchten, auf Grund eines Justizirrtums grauenhaft umgebracht zu werden. Das wäre wirklich schön, zu schön um wahr zu sein.

Aber zurück zur Realität. Leider unterliegt auch Herr Görtz einem weitverbreiteten Irrtum, der ihn Waffenbesitz mit Gewaltbereitschaft gleichsetzen lässt. Wahr ist das Gegenteil – im Schießsport gibt es – im Gegensatz zu zahlreichen andren Sportarten - weder Gewalt noch Aggression; jeder Schützenverein wird Ihrem Redakteur gern Gelegenheit geben, sich davon zu überzeugen. Keinesfalls bestreite ich, dass jede Waffe auch zur Bedrohung werden kann. Und niemand wird, trotz sorgfältigster Prüfung mit Sicherheit vorhersagen können, wie der Besitzer einer Waffe in einer Extremsituation reagieren wird. Das trifft  für den Sportschützen ebenso zu wie für den Wachdienstmann, den Soldaten oder Polizisten. Aber auch nach einer so furchtbaren Tragödie wie der von Erfurt sollte man nicht den Blick dafür verlieren, dass nicht die legalen Waffen Das Problem sind. Das wirkliche Problem sind die geschätzten 30 Millionen illegaler Waffen, mit denen weit über 90% aller Waffendelikte begangen werden. Dieses wirklich bedrohliche Potential wird durch eine wie auch immer geartete Verschärfung des Waffenrechts nicht berührt. So gesehen ist die ganze Diskussion darüber nicht mehr als politischer Aktionismus mit Blick auf bevorstehende Wahlen. Sie sollten alle Möglichkeiten, die Sie als Presse haben nutzen, um hier die Politik endlich zum Handeln zu zwingen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Rainer Steinberg

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Bilder  der Spiegel TV Magazin  - Reporter bei Ihrer "objektiven" Arbeit

 

        

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