Zur Geschichte des Vereins

 

1.  Einiges aus der Geschichte der Eilenburger Bogen- und Büchsenschützen
2.  1593 werden Eilenburger Schützen erstmals erwähnt.
3.  1659 kein Pfingstschießen.
4.  Über Jahrhunderte verstritten
5.  1809 wird Bogenschützengarde gebildet
6.  Schlechte und trübe Zeiten
7.  Kanonen an Schützenverein übereignet
8.  1909 hundertjährige Jubelfeier
9.  1927 Weihe des Schützenhauses
10. Geschichtlicher Abriß nach der Neugründung

 

Einiges aus der Geschichte der Eilenburger Bogen- und Büchsenschützen

Wie in vielen anderen Städten des Mittelalters, war auch die Eilenburger Schützengilde wesentlicher Bestandteil der wehrhaften 

Mannschaft der Stadt. An der Bildung von Schützengilden und deren Ausbildung hatten die Fürsten, aber auch die Verwaltung der Städte großes Interesse. Die Landesfürsten begrüßten die Bildung der Schützengesellschaften, verliehen ihnen mancherlei Privilegien und ließen es auch an Geldzuwendungen nicht fehlen. Die Städte selbst gaben Unterstützung durch verschiedene Gaben und gewährten ihren Schützengesellschaften so manchen Vorteil. In Eilenburg war es ebenso.

Das genaue Gründungsdatum der beiden Eilenburger Schützengesellschaften ist leider nicht bekannt. Alle Nachforschungen dazu blieben ohne Erfolg. Bis 1484 läßt sich das Bestehen der Eilenburger Feuer- oder Büchsenschützen zurückverfolgen, denn die Schützenordnung eines wohledlen Rates der Stadt Eilenburg redet ausdrücklich von "alten Artikul", die den Armbrust- und Büchsenschützen von "Unseren lieben Vorfahren" anno 1484, auch anno 1540 gegeben und bestätigt gewesen sind. In diesem Schriftstück wird auch darauf hingewiesen, daß ein 1535 in Eilenburg entstandener großer Brand das Schützenhaus mit fast allen Akten und Papieren vernichtete. Die Armbrust- oder Bogenschützengesellschaft dürfte noch länger bestehen, wenngleich sie ebenfalls erst 1484 in dem gleichen Aktenstück erwähnt ist.

 

 

1593 werden Eilenburger Schützen erstmals erwähnt.

Mit der Armbrust oder dem Schnapper schoß man ja lange vor der Einführung der Feuerwaffen. Als älteste Aufzeichnung finden sich im Aktenbestand unserer Schützen Abschriften einer Schützenordnung von 1575 und einer solchen von 1593, in denen eben auf die "Artikul" von 1484 und 1540 hingewiesen ist. Eine ganze Reihe noch gut erhaltener Originaleinladungen aus den Jahren 1525 bis 1662 beweist, daß sich die Schützengilden der verschiedenen Städte zu ihren "Schießen" eifrig besuchten. Solche Einladungen an die Eilenburger Schützen liegen vor aus den Städten Dresden, Zeitz, Hof, Torgau, Mühlhausen, Wurzen, Freyberg, Belgern, Liebenwerda und Erfurt.

Die Schützen erhielten vom Amt jährlich nach Ostern 7 Gulden 3 Groschen Vorteilsgeld und das bis in unsere Tage gezahlte Tranksteuerbenefizium, welches in alten Zeiten 19 alte Schock, 1757 aber 6 Taler 3 Groschen betrug. Vorher mußten die in Eilenburg weilenden Vertreter des Fürsten, Amtsschosser und Amtsgeleitsmann, bescheinigen, ob sich die Mitglieder der Gesellschaft auch fleißig im Gebrauch der Armbrust und Musketen geübt hatten.

1680 sind 8 bis 10 Bogenschützen und 17 bis 18 Büchsenschützen vorhanden, die von dem Amtsschosser von Bohlau und dem Amtsgeleitsmann Rudolf Wettersteiner zur fleißigen Übung in den Waffen dringlich gemahnt werden.

 

 

1659 kein Pfingstschießen. 
Der dreißigjährige Krieg, welcher verheerend ganz Deutschland durchzog, spielte auch in Eilenburg recht übel mit, vieles in seiner näheren und weiteren Umgebung wurde zerstört. 1653 ließen die Schützen eine neue Schießwand errichten, da die alte vernichtet war. Die beiden Schützenhauptleute Andreas Kluge und Georg Hampe stellten deswegen dem Landesfürsten und dem Rat der Stadt eine Revers aus. In der Pfingstwoche fand jedes Jahr das übliche Bogenschießen statt, welches aber 1659 aus Anlaß des Todes der Mutter des Kurfürsten von Sachsen unterblieb. Die Schützen baten den Kurfürsten, das Schießen abhalten zu dürfen. Die Erlaubnis wurde auch gegeben, denn ein Schriftstück berichtet, vier Wochen nach Johanni sei das Vogelschießen in Stille und Ehrbarkeit vollführt worden.

 

 

Über Jahrhunderte verstritten

Der Tag der Rechnungslegung war für die Eilenburger Schützen seit Bestehen ihrer Gesellschaft der 20. Januar, der Fabian Sebastianstag gewesen. 1691 protestierten die Handwerksschützen in einem Schreiben an Bürgermeister und Rat, daß sie von den Bogenschützen nicht zur Rechnungslegung an Fabian und Sebastian zugezogen worden seien. Unter den Handwerksschützen sind wohl die Büchsen- oder Feuerschützen zu verstehen. Der Streit zwischen ihnen und den Bogenschützen zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte bis in das letzte Viertel des vorigen hindurch. Wieder und immer wieder waren sie uneins, beklagten sich beim Landesfürsten und dem Rat der Stadt, führten sogar langwierige und kostspielige gerichtliche Prozesse. Regierung und ein wohledler Rat bemühten sich um ihre Einigung, aber fast stets geschah es vergebens. Die gesamten Streitigkeiten aufzuzählen, würde zu weit führen, obgleich sie bei genauem Studium manches Ergötzliche bieten. Die meisten Zwistigkeiten entstanden dadurch, daß die Büchsenschützen die Hälfte von allem Besitztum der Bogenschützen forderten, die letzten solches ablehnten und die Büchsenschützen aus ihrem Schießhaus verwiesen. Bald stellte die eine Gesellschaft ihre Geräte dort auf, wo der Platz der anderen war, bald hielt die andere ihr Schießen an den Tagen ab, wo die ersteren seit altersher nach dem Vogel schoß. Die Fürsten und Behörden hatten wenig Freude an der Sache.

Wie großes Interesse die Fürsten an dem Bestehen und der Vergrößerung der Schützengesellschaft hatten, zeigt eine Verfügung des kursächsischen Oberhofmeisters von Friesen an den Eilenburger Rat aus dem Jahre 1697. Nach dieser sollte von jedem Handwerk der achte Mann nach der Scheibe schießen, schwache Handwerke waren zusammenzulegen. Ferner sollten noch die dazu kommen, die zwar das Bürgerrecht besaßen, aber keine Gewerbe trieben. Zimmerleute blieben vom Schießen befreit. Eine große Zuwendung wurde den Schützen 1754 gemacht. Sie erhielten aus dem Nachlaß der Frau Bürgermeister Steinmetz silberne Schilde und Becher, welche für 67 Taler und 3 Groschen an Leipziger Juden verkauft wurden.

 

 

1809 wird Bogenschützengarde gebildet
Der Rat unserer Stadt Eilenburg fragte 1809 bei den Bogenschützen an, ob sie mit Errichtung einer Bürgerschützengarde einverstanden seien. 

Auf ihre bejahende Antwort erteilte die Behörde den Männern, welche den Antrag zur Schaffung einer solchen Garde gestellt hatten, die Genehmigung zu ihrer Formation. Die Bogenschützen billigten der neuen Schützengarde gewisse Mitbenutzungsrechte an ihrem Besitz zu. Aus dieser Bürgerschützengarden ist die damalige Büchsenschützengesellschaft hervorgegangen.

Die vereinigte Schützengesellschaft hatte von altersher schon das Nutzrecht der Königswiese, die sich in der Schießhausaue etwa 100 Meter hinter der "Vogelwiese" hinzog und zum Mühlgraben reichte. Durch den Weg nach dem Bobritzdamm wurde sie in die große und kleine Königswiese geteilt.

Auf Anfrage der Kommunerepräsentanten im Jahre 1818 sollte den Schützen die Nutznießung der Wiese genommen werden und der Erlös zur Stadtschuldentilgung verwendet werden.  Der sich hierüber entspinnende Streit wurde natürlich zu Gunsten der Schützen entschieden.

Die Jahre 1823 bis 1829 waren für die Bogen- und Feuerschützen resp. Büchsenschützen ebenfalls ausgefüllt mit mancherlei Klagen und Zwistigkeiten, aber auch mit Versuchen zur Vereinigung. Bemerkt sei nur, daß es lange nicht zum Frieden kam. Eine neugebildete Jägerkompanie (der heutige Jägerverein) stellte 1837 Antrag auf Aufnahme in die Schützengesellschaft, dem auch entsprochen wurde. In diesem Jahre forderte der Magistrat die Vereinigte Schützengesellschaft auf, ei Lokal zu beschaffen, in dem mit Ruhe und Sinnlichkeit die Gewehre geladen und aufgestellt werden konnten, weiter sollte auch für einen gehörig eingerichteten und gesicherten Schießstand Sorge getragen werden.

 

 

Schlechte und trübe Zeiten
Seit 1853 hielten die Bogenschützen kein Pfingstschießen und die Feuerschützen kein Augustschießen mehr ab, sondern beide Gesellschaften begingen ihr Hauptschießen gemeinschaftlich zu Anfang Juli. 1859 ging das damalige Schießhaus für 4900 Taler in den Besitz eines gewissen Heyne über. Die Zeiten müssen in den genannten Jahren ziemlich schwer und trübe gewesen ein, denn die Akten berichten: "Das Schützenfest soll in diesem Jahre bis zum etwaigen Eintreten glücklicher Verhältnisse verschoben werden".  Der Beschluß war im Hinblick auf die damalige politische Lage und den geschwächten Nahrungszustand unserer Stadt nötig. Lediglich das fünfzigjährige Jubiläum der Feuerschützen wurde mit Parade, Ausmarsch, gemeinschaftlicher Tafel und Einmarsch am Abend gefeiert.

 

Kanonen an Schützenverein übereignet
Das Jahr 1867 brachte den Bogen- und Feuerschützen ein hochwillkommenes Geschenk. Der Sohn des Schützenleutnants Müller stiftete eine  Kanone, für welche die Gesellschaft eine Lafette zum Preis von 31 Tale 15 Silbergroschen beschaffte. Um Raum zur Aufbewahrung des Geschützes zu gewinnen, wurde der Eingang zur sogenannten "Wache" an dem Schießstand der Feuerschützen erweitert und mit einer Tür versehen. Die Kosten hierfür betrugen 15 Taler. Schützenleutnant Müller gab zur Schenkung die Erklärung ab, die Kanone sei nur für den Gebrauch der vereinigten Schützengesellschaft bestimmt. Ausnahmefälle könnten mit Genehmigung der Deputierten der Schützen erfolgen, nach auswärts jedoch überhaupt nicht.

Ergötzliches enthält ein Aktenstück aus dem Jahre 1871. Der Bau der Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn machte auch Eilenburg zur Bahnstation. Die Stadtkollegien beabsichtigen nun, die neuanzulegende Bahnhofstraße durch die schöne Promenade der Lindenallee und über den von dem Schützenhause befindlichen Platz zu führen. Die Schützengesellschaft protestierte eifrig dagegen, da sie beim Verkauf des Schützenhauses sich für immer währende Zeiten die Benutzung des Platzes neben und vor demselben vorbehalten habe. Sie trat der Behauptung entgegen, daß schon früher ein Fahrweg vor dem Schießhause vorbeigeführt habe, dieser sei unterhalb der Lindenallee hinter ihm entlang gegangen. Zweckmäßiger und ungefährlicher lege man die Bahnhofstraße hinter dem Schützenhaus durch, denn das Knallen auf dem Schießstand könnte leicht scheue Pferde und damit Unglücksfälle im Gefolge haben. Durch die Legung des Eisenbahndammes waren die Schützen sowieso schon gezwungen worden, die auf dem Turnplatz stehende Vogelstange wegzunehmen. Die Bahnhofsstraße ist von den Behörden in der geplanten Weise geführt worden und die befürchteten Unglücksfälle sind glücklicher Weise ausgeblieben. Trotzdem sind der Schützengesellschaft in späteren Jahren seitens der Behörden wegen etwaigen Scheuens der Pferde Befürchtungen ausgesprochen worden.

Nach den Akten von 1873 erklären sich die Schützen mit der Legung der Bahnhofstraße nach behördlicher Anordnung einverstanden.

 

 

 

1909 hundertjährige Jubelfeier
In der Folgezeit bewegte sich das Leben der Vereinigten Bogen- und Büchsenschützengesellschaft in ruhiger Weiterentwicklung. Das Jahr 1909 brachte der Gilde die hundertjährige Jubelfeier des Bestehens der aus der Feuerschützenkompanie hervorgegangenen Büchsenschießgesellschaft. Die Stadt hatte auf die gleiche Zeit ein Heimatfest gelegt. Schöne, stimmungsvolle Tage waren es, welche Schützen, Bürgerschaft und viele ehemalige Eilenburger damals zusammen verleben durften. Alle, die damals in die alte Heimatstadt zurückkehrten, konnten wieder einmal teilnehmen an dem Schützenfest, an das sich für sie so manche frohe Kindheitserinnerung knüpfte.

Als 1913 unser Eilenburg im 3. Bataillon des Infanterieregiments 72 Garnison erhielt, wurden in nächster Nähe des Schießstandes auf einem Teil des Schützenplatzes Baracken erbaut, um das hierher verlegte Militär bis zur Fertigstellung der Kaserne unterzubringen. Damit verloren die Bogenschützen ihren Schießstand, welcher in die Nähe der Gasanstalt kam. Die Büchsenschützen wählten nach dem Kriege, als ihnen das Schießen auf dem alten Schießstand verboten wurde, zum Schießstand die Schießanlage des Restaurants "Schöne Aussicht" . Der Festplatz blieb auf einer bisherigen Stelle. Die Feste waren aber in all den folgenden Jahren etwas zerrissen, denn Schießstand, Schützen und Festplatz gehören untrennbar zusammen. Dies Gefühl dürfte wohl in den letzten Jahren alle Schützen erfüllt haben.

Foto aus dieser Zeit

                                            

 

1927 Weihe des Schützenhauses
Der damalige Büchsenschutzhauptmann, Kaufmann Müller, hat mit vollster Hingabe daran gearbeitet, ein Schützenhaus, weiter moderne, allen Anforderungen genügende Schießstände auf einem Areal zu erbauen, das auch für den Festplatz ausreichend Raum gewahrt. Seine Begeisterung für das geplante Werk wurde auch den Schützen eingeflößt, und so ist durch vereinte Kräfte in verhältnismäßig kurzer Zeit das Werk zur Ausführung gekommen, das durch die Weihe im Juli 1927 gekrönt wurde. Möge es der Vereinigten Schützengesellschaft bis in die fernsten Zeiten für ihre Bestrebungen ein angenehmes Heim ein und bleiben ! Mögen die Schützen dort die edle Schießkunst pflegen, eingedenk des alten Schützenspruchs: " Geb Aug und Hand für´s Vaterland !"  (Auszug aus der Fest- und Schießordnung von 1927 Eilenburg)

 

Geschichtlicher Abriß nach der Neugründung
Der Eilenburger Schützenverein 1990 e.V., Nachfolger des vor über 500 Jahren gegründeten Bogen- und Schützenvereins, trat in dessen Fußstapfen und somit auch dessen Erbe an. Ermöglicht wurde dies allerdings erst nach der Wende 1990. Von der ehemaligen GST genutzt und runtergewirtschaftet, fiel das Gelände der Stadt Eilenburg zu. 
     So sah unser Vereinshaus 1996 noch aus.

Das 47.000 mgroße Gelände, von der Treuhand zu schießsportlichen Zwecke bestimmt, wurde nun dem Schützenverein zum Kauf angeboten. Seit 1998 ist der ESV Besitzer von 2 ha Land und den auf diesem Gelände befindlichen Gebäude. Weitere 2,7 ha wurden für die nächsten 20 Jahre dazu gepachtet. 

Die herrliche, im Muldental gelegene Anlage bietet nicht nur unseren Sport-, und Freizeitschützen einen angenehmen Aufenthalt, sondern auch Familienangehörige  und Gäste finden Entspannung und Erholung auf unserer Anlage nebst gemütlicher Gaststätte. (siehe Bilder Vereinshaus)

Die Schießstände können gegen eine geringe Gebühr von Gästen angemietet werden und die Gaststätte stellen wir gern auch für Fanilienfeiern u.ä. zur Verfügung.